Foto: Karl Grabherr – 100% KI-frei
Jeder Fotograf und jede Fotografin kennt ihn, den Spruch „Das Foto entsteht hinter der Kamera“ und in diesem Blogbeitrag möchte ich einmal im Detail darauf eingehen, welches Skillset man als Fotograf oder Fotografin benötigt, um aussagekräftige Fotos zu machen, die einerseits von technischer Perfektion zeugen, aber was noch viel wichtiger ist, eine Aussage haben, also zu Neudeutsch ein Storytelling. Denn nur Fotos mit einer Aussage sind auch gute Fotos, alles andere sind zwar möglicherweise technisch gelungene Abbildungen von Dingen, haben aber keinerlei Aussage und sind daher leicht austauschbar.
Als Beispiel dafür habe ich das Titelbild mit der Babyschnecke gewählt, die ich im Zuge eines Makrofotografie Workshops im Nationalpark Gesäuse fotografiert habe. Was habe ich mir dabei gedacht und wie könnte man das Bild interpretieren?
Nun, ich muss ehrlich gestehen, dass mich eine Workshopteilnehmerin auf die Schnecke aufmerksam gemacht hat, denn ohne sie hätte ich die Schnecke wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen und natürlich wollte ich sie auch gleich fotografieren. Das hätte ich auch gleich aus dem Stand oder vielleicht aus der Hocke erledigen können, denn die Schnecke saß auf einem Blatt in ca. 40cm Höhe. Da ich die Schnecke aber nicht nur abbilden wollte („aha, eine Schnecke“), sondern dem Foto eine besondere Aussage verleihen wollte, dachte ich mir, dass ich die Babyschnecke, die gerade einmal 5mm groß war, so fotografieren wollte, als würde sie einen steilen Berg erklimmen. Dazu musste ich mich im wahrsten Sinne des Wortes in den Dreck werfen, indem ich mich einfach rücklings auf den staubigen Waldboden gelegt habe um zu der Perpektive zu kommen, die mir vorschwebte. Also war einmal die Perspektive geschafft, die Schnecke erklomm das Blatt. Jetzt kam das Licht dazu und da hatte ich wirklich Glück, weil das Foto im abendlichen Seitenlicht entstand, ohne zusätzliche Lichtquellen, Aufheller, etc., einfach so mit dem vorhandenen Licht. Manchmal hat man eben Glück, bzw. erwischt günstiges Licht. Dann kam dazu, dass die Schnecke so klein war, dass ich mit dem Makroobjektiv richtig nah ran musste und dadurch bedingt die Schärfentiefe auch abgeblendet extrem dünn war. Also entschied ich mich für eine Fokus Bracketing Serie und wollte das Foto danach in Helicon Focus am Rechner zu Hause stacken.
In diesem Fall hatte ich mit der Wahl meiner Ausrüstung in die Vollen gegriffen, denn meine OM SYSTEM OM-1 beherrscht das Fokus Bracketing aus der Hand, völlig ohne Stativ und Makroschiene, aufgrund ihres extrem guten Bildstabilisator perfekt und man hat danach keine Probleme, die Einzelbilder mit Helicon Focus zu einem Bild mit mehr Schärfentiefe zu rendern. Was Makrofotograf:innen mit OM System Kameras in diesem Zusammenhang auch zugute kommt, ist die von Haus aus etwas größere Schärfentiefe gerade im Makrobereich, aufgrund des etwas kleineren Sensors. Also Fokus Bracketing Serie erledigt und dann ging es zu Hause am Rechner weiter.
Ich habe insgesamt ca. 50 Einzelaufnahmen im Fokus Bracketing Verfahren gemacht, habe mich dann aber entschieden, davon nur knapp 30 für das Renering in Helicon Focus zu verwenden, ganz einfach deshalb, weil ich das fertige Bild so haben wollte, dass es aussieht, wie eine einzige Aufnahme mit einem unscharfen Vordergrund, einem scharfen Bereich und einer weich auslaufenden unscharfen Zone. Hätte ich die Schnecke in ihrer Gesamtheit komplett scharf abgebildet, wäre die gesamte Bildaussage dahin und jeder wüsste sofort…..aha, das Bild ist ja am PC entstanden und vielleicht hat es ja sogar eine KI erstellt…..wer weiß das heute schon?
Nein, das Bild habe ich ganz bewusst so fotografiert, habe mich bewusst für eine reduzierte Anzahl von Einzelaufnahmen beim Stacking entschieden und so ist halt herausgekommen, was herausgekommen ist, nämlich ein Bild mit einer Aussage. Und so handhabe ich alle meine Fotos. Meine Fotos müssen etwas ausdrücken, eine Aussage haben und es reicht mir nicht, Dinge abzubilden, da bin ich wirklich pingelig und schmeiße solche Standardaufnahmen auch meistens weg. Sie sind einfach uninteressant und damit austauschbar.
Im kommenden Abschnitt möchte ich eine kleine Übersicht dessen zusammenstellen, woran man als Fotograf:in arbeiten kann, um bessere, aussagelkräftigere Fotos machen zu können. Ich halte mich bewußt kurz und stelle nur jeweils eine Liste der wichtigsten Skills zusammen. Diese Listen sind natürlich nur ein Auszug dessen, woran man arbeiten sollte, um seine Fähigkeiten als Fotograf:in zu verbessern und ist natürlich beliebig erweiterbar.
Was aber auf jeden Fall dabei herauskommt ist, dass es nicht die neue Kamera ist, ein neues Objektiv, eine bestimmte Sensorgröße, eine bestimmte Software, etc. die etwas an der Bildaussage, die man im Kopf hat, oder eben nicht, ändern könnte. Man muss an sich selbst arbeiten und üben, üben, üben, Fotos von anderen, vielleicht sogar berühmten Fotogaf:innen betrachten, analysieren, lernen, nachmachen,…….., ihr wisst, warauf ich hinaus will!
Besonders wichtig für Porträt-, Hochzeits- und Reportagefotografen:
Für professionelle Fotograf:innen unverzichtbar:
Man kann die beste, modernste und teuerste Kamera, die besten Objektive, das beste Stativ, die beste Software, etc. haben, aber wenn man nicht an den eigenen Softskills arbeitet, um bessere Fotos zu machen, hilft es nichts, die Fotos werden nicht besser. Und ganz ehrlich, wer fragt, mit welcher Ausrüstung ein Foto gemacht wurde, wenn es einmal als Print an einer Wand hängt? Da kommt es nur noch darauf an, ob der Blick des Betrachters oder der Betrachterin gefangen wird, oder ob der oder diejenige zum nächsten Bild weitergeht,…..
Also arbeitet an Euch und nutzt jede Gelegenheit zum Fotografieren!
In diesem Sinne wünsche ich allen Gut Licht!
Euer Karl Grabherr
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