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Was ist der M-Modus?

Unter dem M-Modus versteht man die manuelle Einstellung der Belichtung an einer analogen oder digitalen Kamera.

Dabei werden alle 3 Eckpfeiler der BELICHTUNG, also ISO, BLENDE und VERSCHLUSSZEIT, auch als Belichtungsdreieck bekannt, durch den Fotografen oder die Fotografin selbst gewählt und die Kamera hat keinen Einfluss darauf. Der M-Modus hat in der Praxis wesentliche Vorteile, sobald man sich einmal darauf eingelassen hat und gelernt hat, damit umzugehen.

Um gleich zu Beginn Missverständnissen vorzubeugen, das hat nichts mit dem Autofokus bzw. der manuellen Scharfstellung zu tun! Und um auch gleich einem zweiten, weit verbreiteten Missverständis entgegenzutreten, Belichtung hat nichts mit Weißabgleich zu tun. Leider werden diese Dinge allzu oft verwechselt.

Wenn ich also sage, dass ich manuell arbeite, heißt das nicht, dass ich meine Fotos manuell scharfstelle, nein, das überlasse ich nur allzu gerne dem Autofokus meiner Kamera, der kann das nämlich viel besser als ich, aber ich bestimme meine Belichtung bewusst selbst und stelle eben ISO, Blende und Verschlusszeit selbst an meiner Kamera ein.

Warum M-Modus, was bringt das überhaupt, wenn man doch Automatikprogramme hat?

Nun, der M-Modus scheint auf den ersten Blick kompliziert zu sein und man kann natürlich Fehler machen. Dass dem aber nicht so ist, und dass er viele Vorteile hat, möchte ich im Folgenden näher erläutern:

Vorteil 1:
Wer im M-Modus fotografiert, hat ISO, Blende und Belichtungszeit ständig im Hinterkopf und übersieht wichtige Einstellungen nicht, die über Erfolg oder Misserfolg einer Aufnahme bestimmen können. 

So sollte man z.B. bei Aufnahmen aus der Hand sicherheitshalber eine Belichtungszeit wählen, die zumindest dem Kehrwert der verwendeten Brennweite entspricht (auf Kleinbild bezogen), oder kürzer ist. Das heißt, wenn ich an einer Vollformat (Kleinbild) Digitalkamera ein 50mm Objektiv habe, sollte die Belichtungszeit aus der Hand zumindest 1/50sec. betragen (man rundet dann auf die nächst kürzere Zeit auf, d.h. 1/60sec.), verwende ich eine MFT Kamera mit Cropfaktor 2x, dann würde ich bei einem 25mm Objektiv auch 1/60sec. einstellen. Diese „Eselsbrücke“ gibt es seit ich denken kann und sie gilt auch heute noch, wenn man sicher gehen will, dass man Aufnahmen von statischen Motiven aus der Hand nicht verwackelt. Mein Vater hat schon Anfang der 70er zu mir gesagt, „Wenn Du ein 50er auf der Kamera hast, schau immer, dass Du zumindest eine 1/60 bekommst, wenn Du aus der Hand fotografierst, sonst sind die Bilder verwackelt und wenn die Zeit länger ist, musst Du Dich irgendwo aufstützen, oder ein Stativ verwenden“.

Wenn man den Bildstabilisator mit berücksichtigt, kann man auch noch 2-3 Stufen länger belichten, also wären wir dann ca. bei 1/15 – 1/8sec., was bei OM System Kameras kein Problem darstellt, da geht es auch schon einmal im Sekundenbereich ohne Verwackelung, weil der Bildstabilisator aus meiner Sicht der beste auf dem Markt ist, aber bei einer hochauflösenden Vollformatkamera mit 45 und mehr Megapixel spielt die Belichtungszeit eine wesentliche Rolle und jeder kleinste Verwackler endet in Auflösungsverlust! Also sollte man bei diesen Kameras dann doch lieber die alte Regel anwenden bzw. sogar noch 1-2 Stufen kürzer belichten. Die Alternative ist der Einsatz eines Stativs oder eine höhere ISO Einstellung.

Fotografiert man mit einem Automatik Programm, übersieht man vielleicht die Belichtungszeit, die dann evtl. auch schon viel zu lange sein könnte und wundert sich dann, warum die Kamera kein scharfes Bild zusammengebracht hat.

Wenn es um die Blende geht, gibt es einen Bereich, in dem jedes Objektiv optimale Bildqualität liefert und einen Bereich davor und danach, wo die Qualität weniger optimal ist. Der optimale Bereich liegt je nach Sensorgröße und Auflösung ca. zwischen Blende 4 – Blende 8. Professionelle Objektive kann man heute auch bei Offenblende verwenden und sie werden sehr gute Ergebnisse liefern, aber Blendenwerte über 11 sollte man bei MFT Kameras unbedingt meiden, bei Vollformatkameras kann man auch gerne bis Blende 16 gehen, bevor die sogenannte „Beugungsunschärfe“ zuschlägt und das gesamte Bild sichtbar unschärfer macht. Bei hochauflösenden Vollformatkameras sollte man auch nicht über Blende 8 hinausgehen, sonst leidet die Auflösung aufgrund der einsetzenden Beugungsunschärfe. Also ist es auch sinnvoll und wichtig, die richtige Blende im Blick zu behalten und nicht einer Automatik zu überlassen, die auch schon gerne einmal sehr hohe Blendenwerte einstellt, ohne dass man es vielleicht mitbekommt. 

Der letzte Punkt ist die ISO Einstellung. Unsere Kameras haben die beste Bildqualität bei der sogenannten nativen- oder Basis ISO Einstellung, d.h. der niedrigste ISO Wert, den man einstellen kann, ohne in den Low ISO Bereich zu kommen (z.b. L100, 64). Alle ISO Werte darüber werden durch elektronische Verstärkung des Bildsignals erzeugt, was zum vielseits diskutierten Rauschen führt. Das Rauschen ist heute übrigens kein so großes Thema mehr, weil es mittlerweile wirklich sehr gute Programme zur Entrauschung mittels KI gibt, die wirklich außerordentlich gut funktionieren und tatsächlich nur das Rasuchen aus einer Aufnahme entfernen können, ohne die Bilddetails gleich mit zu entfernen. Ich bin ISO-mäßig mittlerweile schmerzbefreit und verwende die ISO Einstellung, die die Situation erfordert. Trotzdem sollte man für eine optimale Bildqualität eine möglichst niedrige ISO Einstellung wählen und das hat man auch nur im manuellen Modus wirklich im Blick.

Vorteil 2:

Am Beispiel Vogelfotografie möchte ich einmal meine Vorgangsweise mit dem M-Modus zeigen. 

Nehmen wir an, ich will Vögel im Flug fotografieren, z.b. Reiher, die relativ langsam fliegen. Eine Belichtungszeit, die die Reiher im Flug möglichst scharf abbildet (bewußte längere Belichtungen für dynamische Wischeffekte lassen wir einmal außen vor) wäre z.b. 1/2000sec., also stelle ich die einmal an der Kamera fix ein. Danach wähle ich meistens die Offenblende an meinem Objektiv, bzw. blende für eine noch bessere Bildqualität ca. 1/3-2/3 Stufen ab. Die Helligkeit stelle ich dann mittels ISO Einstellung ein. Bei meiner OM-1 Mark II geht diese Einstellerei sehr einfach und intuitiv von der Hand. Stelle ich nämlich den Fn-Schalter neben dem Sucher auf Position 1, kann ich mit den Einstellrädern vorne und hinten die Blende und Verschlusszeit wählen. Stelle ich den Fn-Schalter auf Position 2, kann ich mit beiden Einstellrädern die ISO Empfindlichkeit einstellen und damit die Helligkeit des Fotos. Macht man das über den Fn-Schalter und stellt die ISO nicht über die ISO Taste ein, bekommt man zusätzlich sogar vor der Aufnahme die Überbelichtungswarnung eingeblendet und kann so sichergehen, dass die Aufnahme nicht überbelichtet wird.

Je nach Licht- und Motivsituation habe ich also schon vor der Aufnahme eine Idee, wo es mit Blende und Zeit hingehen muss, damit meine Aufnahmen etwas werden. Den Rest mache ich mit ISO.

Bei Landschaftsaufnahmen, d.h statischen Motiven geht es mir in erster Linie um eine möglichst optimale Bildqualität, also stelle ich die ISO auf die Basis ISO meiner Kamera ein (je nach Kamera ISO 64, 100 oder 200) und wähle dann die Blende, um zu einer bestimmten Schärfentiefe zu kommen. Dabei fließen natürlich Überlegungen hinsichtlich Sensorgröße, Motiventfernung, Brennweite, etc. ein. Zuletzt kommt die Belichtungszeit dran und die kann auch schon einmal länger ausfallen, je nach Lichtsituation. In diesem Fall weiß ich dann, ob ich die Aufnahme unter Zuhilfenahme des Bildstablisators aus der Hand fotografieren kann, oder ob ich lieber ein Stativ verwenden sollte. Die ISO bleiben aber in der Regel niedrig eingestellt.

Das alles klingt jetzt auf den ersten Blick sicher ur kompliziert und langwierig, aber Ihr könnt mir glauben, mit ein wenig Übung und Erfahrung sind das alles Entscheidungen, die innerhalb von Sekunden getroffen werden, sobald man ein Motiv vor sich hat. Wie immer im Leben ist es aber so, das natürlich Übung den Meister, bzw. die Meisterin macht.

Vorteil 3:

Wenn man ISO, Zeit und Blende manuell einstellt, ist die Belichtung (=Helligkeit des Fotos) fixiert und es muss nichts mehr gespeichert oder korrigiert werden. 

Das heißt, dass man oft sehr lange bei denselben Einstellungen bleiben kann, wenn man in der selben Lichtsituation fotografiert. Alle, die schon einmal an einem meiner Belichtungsworkshops teilgenommen haben, werden das bestätigen können! Stichwort „ISO200, Blende 5.6 und 1/1000sec.“. Die, die dabei waren, wissen, was ich meine.

In der Regel ist es nämlich so, dass sich das Licht über einen oft sehr langen Zeitraum nicht bzw. kaum verändert und damit kann man bei einmal eingestellten Belichtungseinstellungen bleiben. Es gibt nur wenige Situationen, wo sich das Licht permanent und sehr rasch ändert. Wenn man seine Sichtweise dahingehend ändert, dass man das einfallende Licht beobachtet, wird man draufkommen, dass ich nicht so unrecht mit meiner Aussage habe. Natürlich muss man seine Einstellungen ändern, wenn man von einem sonnigen Bereich in einen schattigen Bereich wechselt, das ist schon klar, aber solange man in den sonnigen Bereich hineinfotografiert bleiben die Einstellungen wie gehabt. Fotografiere ich jedoch Motive im Schatten, muss ich natürlich meine Einstellungen wieder anpassen. 

Machen Automatikprogramme das Fotografieren leichter?

Ich sage nein, denn mit allen Automatikprogrammen (P,A bzw. Av,S bzw. Tv) bekommt man ständig sehr inhomogen belichtete Aufnahmen, je nachdem wie man den Bildausschnitt, oder die Aufnahmerichtung ändert. Will man die Belichtung Richtung dunkler oder heller korrigieren, muss man die Belichtungskorrektur verwenden und wenn man diese Einstellung dann auch noch fixieren will, kommt auch noch der Belichtungsspeicher  dazu. Will man das nächste Motiv fotografieren muss man den Belichtungsspeicher wieder löschen und die Belichtungskorrektur zurücksetzen und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne. All diese „unnötigen“ Schritte erspart man sich, wenn man die Belichtung gleich von Anfang an manuell einstellt. Die Lichtwaage im Sucher oder Monitor dient dafür als Hilfmittel zur Belichtungsfindung. Außerdem entwickelt man ein Gefühl dafür, ob das Licht in einer Szenerie mehr oder weniger wird und kann dann entsprechend an der Kamera gegensteuern, indem man z.b. die Belichdtungszeit etws kürzer oder länger wählt.

FAZIT

Die manuell Belichtung hat mit etwas Übung wesentliche Vorteile gegenüber allen Belichtungsautomatik Programmen und deshalb belichten die meisten Profis und erfahrenen Amateur Fototrafen und Fotografinnen ihre Fotos manuell.

Ich möchte niemanden bekehren, sondern schildere hier nur meine eigenen Erfahrungen. Du musst mir vorerst einmal überhaupt nichts glauben von dem, was ich weiter oben geschrieben habe, aber ich möchte Dich dazu anstiften, es einfach einmal zu probieren und dann zu entscheiden, ob der M-Modus für Dich Sinn macht oder nicht. 

Wenn Du tiefer in die Materie einsteigen willst, empfehle ich Dir meinen Fotokurs für Fortgeschrittene und/oder meinen Workshop „Professionell belichten mit Know How„, den es auch als Onlinekurs gibt. Infos zu meinen Kursen findest du im Foto Event Kalender.

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Ausprobieren und würde mich über Dein Feedback sehr freuen!

GUT LICHT wünscht Euer
Karl Grabherr

Vielen Dank für Ihren Besuch!

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4 Comments
Manfred Voss
03/06/2026 at 09:01
Reply

Eine sehr ausführliche und leicht nachvollziehbare Darstellung aller Aspekte des Fotografierens im M-Modus. Was oftmals übersehen wird ist die Notwendigkeit von Korrekturen bei Halb-Automatik-Programmen. Dann kann ich auch gleich „kontrolliert“ im M-Modus fotografieren.



    Karl Grabherr
    03/06/2026 at 11:23
    Reply

    Danke Manfred! LG Karl

Petra Eichhorn
03/06/2026 at 15:12
Reply

Dieser Artikel zeigt sehr gut, dass der M-Modus nicht kompliziert sein muss. Statt der oft unberechenbaren Automatik bestimmt man selbst Blende, Belichtungszeit und ISO und hat damit die volle Kontrolle über das Bild. Eine klare Empfehlung für alle, die mehr aus ihrer Fotografie herausholen und sich nicht länger auf die Automatik verlassen möchten. Sehr schön und einfach erklärt! Danke



    Karl Grabherr
    03/06/2026 at 15:33
    Reply

    Hallo Petra,

    vielen Dank für Deinen Beitrag!

    LG Karl

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