Schwarzweißnegative, Farbnegative und Dias scannen mit der Olympus OM-D oder Pen

Geht es Ihnen auch so, dass Sie noch einen großen Bildbestand aus der Analogzeit haben, den Sie gerne digitalisieren möchten?

Es gibt mehrere Möglichkeiten Schwarzweißnegative, Farbnegative oder auch Dias zu digitalisieren. Man denkt an günstige Negativ/Dia Scanner um wenige Euro, an Flachbettscanner mit Durchlichteinheit oder auch daran, die analogen Schätze einem professionellen Dienstleister zum Scannen anzuvertrauen. 

Alle aufgezählten Methoden haben leider Nachteile. Aus dem günstigen Scanner bekommt man kaum eine ansprechende Bildqualität heraus, das Arbeiten mit Flachbettscannern raubt einem den Schlaf, weil man das oft auf die Nachstunden verschieben muss, dauert ewig und dann müssen die Negative auch noch in Positive umgewandelt werden, was bei Farbnegativen gar nicht so einfach ist. Es reicht nämlich nicht, das Negativ zu invertieren, sondern man muss die Integralmaske (Orangetönung des Films) entfernen, bevor man sich den eigentlichen Farben widmen kann. Auch das Scannen beim professionellen Dienstleister fällt oft aus Kostengründen aus. Was bleibt, sind Unmengen an analogem Bildmaterial, das Geschichten über die eigene Herkunft, die Kindheit und viele weitere wichtige Ereignisse in einem langen Leben dokumentiert. Erinnerungen, die in Schachteln am Dachboden schlummern und langsam aber sicher mit den Jahren verbleichen und in Vergessenheit geraten.

Nachdem mein Vater heuer im Frühjahr verstorben war, begann ich, meine alten Schwarzweißnegative und Dias zu durchwühlen. Erinnerungen kamen hoch und es waren teilweise sehr emotionale Momente. Ich habe seit meinem 10. Lebensjahr fast ausschließlich auf Diamaterial fotografiert, hatte aber auch immer wieder Phasen, wo ich lieber schwarzweiß fotografierte, die Filme selbst im Badezimmer meiner Eltern entwickelte, aber nur wenige Abzüge davon erstellt habe. Heute finde ich in den Beständen Motive, die mir damals nicht wichtig waren, die aber heute umso mehr Bedeutung bekommen haben. Ich habe daher begonnen, meine Negative mit der E-M1 Mark II  und dem 60mm Makro abzufotografieren, um Sie auch meiner Mutter und meinem Bruder zukommen zu lassen, die diese Fotos noch gar nicht kennen.

Das Digitalisieren mittels Digitalkamera hat den riesigen Vorteil, dass es erstens schnell geht, dass man zweitens im RAW-Format fotografieren kann und damit alle erdenklichen Bearbeitungsmöglichkeiten in der Positivumwandlung habe, nämlich verlustfrei, was mit normalen Scans ja nicht geht, und die zu erreichende Bildqualität dabei extrem gut ist, besonders wenn man die Negative im HighRes Modus der E-M1 Mark II oder E-M1X abfotografiert. Großformatigen Vergrößerungen steht damit nichts im Wege und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch wieder Lust bekommen, teilweise wieder analog zu fotografieren, allerdings nur noch auf Schwarzweiß- oder Farbnegativmatieral (Diafilme sind heute fast unerschwinglich), die Schwarzweißfilme selbst zu entwickeln und anschließend mit der E-M1 Mark II  im HighRes Modus zu „scannen“. Die weitere Bearbeitung erfolgt dann in Capture One Pro (Schwarzweiß) oder Lightroom mit einem speziellen PlugIn, das es leider nur für Lightroom gibt, mit dem man aber Farbnegative sehr gut und vor allem einfach in ansprechende Positive umwandeln kann.

Ich fotografiere sozusagen „HYBRID“ und es macht eine Unmenge Spaß, sich wieder mit den analogen Fotoapparaten zu beschäftigen. Es ist ein völlig anderes Fotografieren als mit Digitalkameras, weil man sich mit dem ganzen Prozess viel mehr beschäftigen muss. Es fängt schon einmal an, dass man den Film richtig belichtet, was bei vielen alten Kameras bedeutet, dass man sich wieder mit Belichtungsmessung mit externen Belichtungsmessern beschäftigen muss, weil sie schlicht und ergreifend keinen eingebauten Belichtungsmesser haben, oder wenn sie einen haben, der schon lange nicht mehr funktioniert. Man stellt Blende und Verschlusszeit ein, die ISO können nicht so einfach von Motiv zu Motiv umgestellt werden, weil der Film eine fixe Empfindlichkeit hat und man überlegt 3x, ob die Bildkomposition passt, bevor man ein mal auf den Auslöser drückt, weil das Filmmaterial einen reellen Wert in Form von Euros hat. Es gibt kein Feedback nach der Aufnahme, indem man sich das gemachte Bild auf einem Monitor ansieht sondern man muss dem eigenen Können vertrauen können und kann Fehler machen, die aber viel später erst zum Vorschein kommen.

Zu Hause geht es dann weiter mit der Spannung. Der Film muss in die Entwicklungsdose, was aber nur bei völliger Dunkelheit oder in einem Wechselsack passieren kann. Dabei hilft einem nur der Tastsinn, denn nachschauen ruiniert den Film. Manchmal ist es auch ein wenig „tricky“, den Film ohne Knicke in die Entwicklungsspule zu bekommen, das braucht schon Übung. Ist der Film dann endlich in der Dose, kann man das Licht wieder einschalten. Jetzt gilt es, den Entwickler, das Stoppbad und das Fixierbad im richtigen Verdünnungsverhältnis anzusetzen und möglichst genau zu temperieren, da jedes Grad mehr oder weniger Auswirkungen auf die Qualität der Filmenwicklung hat. Jetzt kann endlich mit der Entwicklung begonnen werden. Man gießt den Entwickler in die Dose, stellt den Timer, kippt die Dose jede Minute ein paar Mal und stellt sie dann fest auf den Tisch, um Luftblasen zu lösen. Kurz vor Ablauf der Entwicklungszeit wird man dann leicht nervös….habe ich das Stoppbad schon vorbereitet, werde ich den Entwickler rasch genug ausgießen können und mittels Stoppbad die Entwicklung abbrechen können…danach Aufatmen…alles hat geklappt, die Entwicklung ist gestoppt und jetzt kann es entspannt mit dem Fixierbad weitergehen. Nach der Fixierung kommt noch die Schlusswässerung, um alle Chemikalien auszuspülen. Ein Netzmittel, das man dem letzten Wässerungsvorgang beisetzt verhindert, dass sich Kalkflecken auf dem Film bilden und dann kann der Film endlich aus der Entwicklungsdose genommen und zum Trocknen aufgehängt werden. Eine kurze Anspannung noch, denn der nasse Film muss abgestreift werden, was man entweder mit den Fingern erledigt, oder mit einem Gummiabstreifer, wobei man aufpassen muss, dass man den Filmstreifen nicht zerkratzt. 1-2 Stunden später hält man dann einen trockenen Film in Händen und sieht, ob man gut gearbeitet hat. 

Sobald man den entwickelten Film hat, kann es entweder analog in der Dunkelkammer, oder eben digital weitergehen. Was ich mit dieser Beschreibung vermitteln möchte, ist das Gefühl, selbst etwas geschaffen zu haben. Man kann in der gesamten Kette einiges falsch machen und wenn man es schafft, ein perfektes Ergebnis hinzubekommen, darf man sich berechtigt darüber freuen. 

Ich möchte alle Leser dazu aufrufen, doch einmal wieder eine analoge Kamera in die Hand zu nehmen und vielleicht sogar wieder einen Film einzuspannen und damit fotografieren zu gehen. Es könnte sein, dass Sie wieder Gefallen daran finden könnten und wenn Sie die Scans mit Ihrer OM-D oder PEN machen, vereinen Sie das Beste aus beiden Welten.