Seit ein paar Tagen besitze ich nun seit vielen Jahren wieder eine Makroschiene. Die Letzte habe ich zuletzt in der guten alten Analogzeit verwendet, als man damit im Makrobereich noch fokussiert hat. Mit heutigen Kameras, die einerseits eine sehr gute Bildstabilisierung haben und wo man auch im Makrobereich mit Autofokus scharfstellen kann, sind solche Schienen in den letzten Jahren immer mehr aus der Mode gekommen.

Als Olympus Fotograf bin ich ja sehr verwöhnt, was die Makrofähigkeit des Systems betrifft, denn selbst die stärksten Teleobjektive haben eine Naheinstellgrenze, mit der man ohne Probleme in den Nah- und teilweise Makrobereich vordringen kann. So wird z.B. das M.Zuiko ED 300mm f/4.0 Pro, das eigentlich ein ausgewachsenes Supertele (Bildwinkel: 600mm kleinbildequivalent) für Natur- und Sportfotografen ist, sehr gerne auch als Makroobjektiv verwendet, weil die Naheinstellgrenze gerade einmal 1.4m beträgt. Die hervorragende Bildstabilisierung in den Olympus Kameras ermöglicht sogar Makroaufnahmen aus der Hand und das teilweise sogar im sogenannten Handheld HighRes Modus der E-M1X und E-M1 Mark III, bei dem bis zu 16 Aufnahmen in der Kamera zu einem 50MPx Foto verrechnet werden. Das funktioniert sogar bei etwas längeren Belichtungszeiten und somit hat man nur recht selten den Bedarf mit einem Stativ auszurücken. Olympus Fotografen erkennt man von der Ferne oft daran, dass sie kein Stativ herumschleppen.

Vorteile einer Makroschiene:

Da ich mich als Werbefotograf nicht nur in der Natur herumtreibe, fotografiere ich auch im Studio hin und wieder Gegenstände im Makrobereich, bzw. muss Gegenstände in ihrer gesamten Tiefe scharf abbilden. Dazu verwende ich sehr gerne die Focus Stacking Methode, bei der schichtweise Fotos gemacht werden, bei denen der Fokus schrittweise von vorne nach hinten verstellt wird. Die einzelnen Aufnahmen überlappen sich in ihrem Schärfebereich und können so später mittels Spezialsoftware (z.B. Helikon Focus) zu einem Bild gerendert werden, in dem der Gegenstand von vorne bis hinten komplett scharf abgebildet ist.

Auch in dieser Disziplin bin ich wiederum von meinen Olympus Kameras verwöhnt, denn diese können automatisch mittels FokusStacking Funktion (die Einzelbilder werden direkt in der Kamera gestackt) oder FocusBracketing Funktion (die Einzelbilder müssen mittels externer Software am PC/MAC gestackt werden) erstellt werden, ohne dass man als Fotograf selbst Hand anlegen muss. Man löst genau einmal aus und die Kamera erledigt den Rest.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings schon, denn FocusStacking und FocusBracketing Aufnahmen können nur in der nativen Auflösung von 20MPx erstellt werden und nicht im HighRes Modus, bei dem 8 Einzelaufnahmen per Sensorshift Technik aufgenommen werden und danach zu einem 80MPx RAW in der Kamera verrechnet werden. Genau das würde ich aber hin und wieder für Produktaufnahmen benötigen und jetzt kommt die NiSi Makroschiene ins Spiel.

Focus Stacking im HighRes Modus mit Olympus Kameras und der NiSi Makroschiene:

Focus Stacking Aufnahmen werden, sofern man auf beste Qualität Wert legt, nach wie vor vom Stativ aus gemacht, wobei eine Makroschiene Gold Wert ist, wenn es darum geht, präzise zu fokussieren. Das Makroobjektiv wird dabei auf eine bestimmte Entfernung oder einen bestimmen Maßstab fix eingestellt und die eigentliche Fokussierung erfolgt durch die Verschiebung der Kamera nach vorne oder rückwärts, bis man den Schärfepunkt im Sucher erreicht hat. So eine Makroschiene ist auch dann hilfreich, wenn man den Startpunkt für FocusStacking oder FocusBrackting Aufnahmen in Olympus Kameras ganz exakt einstellen möchte.


Damit das aber perfekt funktioniert, muss die Makroschiene eine möglichst feingradige Einstellung mittels Gewindestange ermöglichen, am besten mit einer Kurbel und optimaler Übersetzung und diese Kriterien erfüllt aus meiner Sicht nur die Makroschiene von NiSi wirklich perfekt, ohne dass man dabei zu tief in die Tasche greifen muss.

Die NiSi Makroschiene bietet an einem Ende eine ausklappbare Kurbel und am anderen Ende einen Knopf, womit sich der Schlitten sehr feinfühlig und sanft gleitend über die gesamte Länge von 180mm bewegen läßt, ohne Ruckeln, Schwergängigkeit oder ähnlichen Effekten, die man von so manchen Billigprodukten kennt. Die Schiene macht einen äusserst wertigen Eindruck und würde einen viel höheren Preis vermuten lassen. Jedenfalls kann sie ganz locker in der hochpreisigen Liga mitspielen, was die Verarbeitungsqualität betrifft.

Die Schiene kann entweder mittels 3/8″, oder 1/4″ Innengewinde (der Adapter von 3/8″ auf 1/4″ ist inkludiert) auf gängigen Stativköpfen befestigt werden, hat aber auf der Unterseite auch eine Nut, die das direkte Aufsetzen auf Arca Swiss kompatiblen Stativköpfen ermöglicht. Außerdem gibt es 4 abnehmbare Metallfüße, damit man die Schiene auch direkt auf den Untergrund stellen kann.

Der bewegliche Schlitten hat links und rechts an der Unterseite Metallzapfen, die die Position auf der Millimeterskala markieren und außerdem dazu beitragen, dass sich der Schlitten nicht seitlich bewegen kann, sobald man ihn verstellt. Auf der Basisplatte befindet sich eine Arca Swiss Stativplatte, damit man die Kamera längs oder quer, bzw. auch in jeder Zwischenstellung ausrichten und mittels Feststellschraube fixieren kann. Diese Platte rastet außerdem in 45° Schritten sanft ein.

NiSi legt zur Makroschiene auch eine Arca Swiss kompatible Schnellwechselplatte zur Befestigung der Kamera bei und hier muss ich sagen, dass ich noch nie eine derart gut gefertigte Schnellwechselplatte gesehen habe. Auf der Unterseite findet man eine groß dimensionierte, ausklappbare Flügelschraube, mit der man die Platte sicher auf dem Kameraboden befestigen kann, ohne sich dabei die Finger zu brechen oder einen Imbusschlüssel verwenden zu müssen. Die Platte gibt es übrigens auch separat bei NiSi Austria zu einem sehr günstigen Preis zu kaufen.

Die NiSi Makroschiene auf Bewährungsprobe:

Um zu sehen, ob die NiSi Makroschiene hält, was sie dem Anschein nach verspricht, habe ich kurzerhand einen kleinen Aufbau in meinem „Home Office“ gemacht und habe eine silberne Olympus E-M10 Mark IV unter Studiobedingungen mit Focus Stacking im HighRes Modus meiner E-M1 Mark III fotografiert. Die Schärfeverstellung zwischen den einzelnen HighRes Aufnahmen musste per NiSi Makroschiene erfolgen, da die FocusStacking Funktion wie gesagt im HighRes Modus meiner Olympus nicht funktioniert. Die Verstellung muss daher wirklich exakt und gleichmäßig sein, damit es zu keinen Artefakten in der fertigen Aufnahme kommt. Hier ein kleiner Einblick in den Setaufbau:

Und so wurden die Focus Stacking Aufnahmen erstellt:

Den Startpunkt für die einzelnen Focus Stacking Aufnahmen legte ich ganz nach vorne, d.h. ich habe zuerst mit dem hintersten Teil der Kamera begonnen und habe mich dann schrittweise immer mehr in den Vordergrund gearbeitet. Bei der ersten Aufnahme habe ich das Objektiv manuell fokussiert.

Als Blitzanlage kamen 2 Godox AD200 im 2-fach Adapter von Godox und eine 120x30cm Strip Softbox zum Einsatz, die ich als Gegenlicht platzierte. Den Vordergrund hellte ich mittels Spiegelfolien entsprechend auf und setzte damit auch meine Lichtreflexe auf der Kamera. Als Belichtungszeit stellte ich 1/50sec. ein, was bei der E-M1 Mark III die kürzeste Belichtungszeit ist, die man im HighRes Modus beim Blitzen verwenden kann. Diese Zeit ist zwar nicht berauschend kurz, aber zumindest ist es mit Olympus Kameras möglich, überhaupt mit dem elektronischen Verschluss, der bei HighRes Aufnahmen zum Einsatz kommt, zu blitzen. Wichtig dabei ist nur, dass man Fremdlicht in Form von Tageslicht, das durch die Fenster tritt oder Kunstlicht im Raum ausschließt, d.h. der Raum wird einfach abgedunkelt, sobald man mit den Aufnahmen beginnt. Als Blende habe ich am M.Zuiko 60mm Makro Blende 7.1 eingestellt. Die Fokusschritte wurden per Kurbel an der NiSi Makroschiene eingestellt, wobei es in diesem Fall notwendig war, die gesamten 160mm durchzufahren, damit ich die E-M10 Mark IV von vorne bis hinten scharf abbilden konnte. Die Schrittweite ist einfach einzustellen, denn man zählt einfach die Runden an der Kurbel der Makroschiene. In diesem Fall habe ich die Kurbel für jede Aufnahme einmal um 360° gedreht, was zu 89 HighRes Aufnahmen mit je 80MPx und ca. 250Mb pro Aufnahme im RAW Format geführt hat. Der ganze Aufnahmeprozess dauerte ca. 50 Minuten und pro Aufnahme wurden 8 Blitze gezündet, da jede HighRes Aufnahme aus 8 Einzelaufnahmen mit versetztem Sensor besteht, d.h. in Summe wurden 712 Blitze gezündet. Meine Godox AD200 haben wieder einmal perfekt und zuverlässig funktioniert, auch bei dieser Dauerbelastung und haben von der Helligkeit und der Farbtemperatur her vom ersten bis zum letzten Blitz konstante Ergebnisse geliefert.

Focus Stacking mit Helicon Focus:

Anschließend an die Aufnahmen wurden die RAWs in Capture One Pro 20 entwickelt und als 8bit Tiffs im AdobeRGB Farbraum exportiert. Danach habe ich die Aufnahmen in Helicon Focus importiert und mit der Methode „Tiefenabbild“ gestackt, was für die Software und mein MacBook 15″ (2016) überhaupt kein Problem war. Anschließend konnte ich das Ergebnis ohne weitere Korrekturen als Tiff speichern.

Und hier kommt das Ergebnis:

Das fertige Originalfoto mit 80MPx könnt ihr bei Interesse HIER downloaden!

Fazit:

Die Makroschiene von NiSi hat sich in diesem Test bestens bewährt und ich kann sie wirklich nur wärmstens empfehlen. Das Arbeiten damit ist eine Freude und für den sehr vernünftigen Preis von 119€ bekommt man echte Topqualität geliefert. Der Kandidat bekommt 100 Punkte!

Übrigens mit dem Gutscheincode GRABHERRNISI bekommt Ihr bei der Bestellung im NiSi Austria Webshop 7% Rabatt und könnt Euch damit vielleicht sogar noch eine Nahlinse für Euer Objektiv leisten, falls Ihr noch kein Makroobjektiv habt, oder mit Euren Objektiven einfach näher in den Nahbereich vordringen wollt. Auch die Qualität der Nahlinse ist extrem gut und es ist die günstigste Möglichkeit um „normale“ Objektive makrofähig zu machen!

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