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Meine ersten Erfahrungen mit dem Olympus M.Zuiko Pro Digital 300mm f4.0

Seit ein paar Wochen bin ich nun stolzer Besitzer des Olympus M.Zuiko Pro 300mm f4.0 und konnte schon einige Erfahrungen mit diesem Objektiv sammeln.

Es gibt bereits viele Berichte im Web, die dem Objektiv eine hervorragende Schärfe und Auflösungsleistung attestieren und auch ich kann nur sagen, das Ding ist optisch ein Wahnsinn.

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die man bei der Handhabung dieses Objektivs bedenken sollte. Ein kleiner Bootsausflug mit einem Freund, der  Nationalparkranger im Nationalpark Donauauen ist, sowie 3 weiteren Freunden, die auch begeisterte Olympus User sind, hat mich auf die Idee gebracht, ein wenig über meine Erfahrungen mit dem 300er zu berichten und ein paar Tipps zu geben.

Wir starteten gegen 17:00 Uhr, es war leicht bewölkt und wir waren im Schlauchboot in einem Seitenarm der Donau unterwegs und wollten Graureiher und Kormorane fotografieren. Der erste Graureiher ließ auch nicht lange auf sich warten und wir schlichen uns ganz langsam immer näher heran in der Hoffnung, dass wir nahe genug herankommen würden, ohne dass er wegfliegt. Es hätten ruhig noch mehr als 300mm (600mm KB) sein können, denn diese Vögel sind extrem aufmerksam und hauen sehr schnell ab, wenn man sich zu schnell bewegt oder zu nahe kommt. Den MC14 Extender hatte ich an dem Tag nicht dabei. Wir waren also ca. 100m entfernt und ich verspreizte mich im Boot, um eine halbwegs stabile Lage zum Anvisieren und Fotografieren zu bekommen. Der Einsatz eines Stativs wäre nicht möglich gewesen und hätte bei dem doch leicht schaukelnden Boot nichts gebracht. Also hielt ich mit dem 300er an der E-M1 an und versuchte den Vogel zu fotografieren. Dabei viel mir zuerst einmal auf, dass es extrem schwer ist, scharfzustellen, wenn das Ziel verhältnismäßig klein ist, das Boot schaukelt und man in Kleinbild umgerechnet ein 600er an der Kamera hat, denn die Bildstabilisierung setzt erst ein, sobald der Fokus sitzt und das warf ziemliche Probleme auf bei der langen Brennweite. Der Graureiher gab für den Autofokus ein sehr kleines Ziel ab und es war sehr schwer, bei der ganzen Schaukelei nicht auf den Hintergrund scharfzustellen. Ich musste mehrere Versuche mit dem kleinsten AF-Feld machen, bis der Fokus richtig traf und ich das Bild letztendlich mit einer 1/320 Sekunde Belichtungszeit (ich wollte den Stabilisator testen) machen konnte. Eine Umstellung auf den manuellen Fokus und Aktivierung des Bildstabilisators bei halb gedrücktem Auslöser ist zwar eine große Hilfe, bringt aber den Nachteil, dass man bei aktivierter Sucherlupe noch näher dran ist und das Bild trotz Stabi hin und her ruckt, wodurch man sich wiederum schwer tut, manuell scharfzustellen. Es ist ein Geduldspiel.

Aber nachdem ich ja nicht aufgebe wenn es um eine Lösungsfindung geht, habe ich dank der unendlichen Einstellmöglichkeiten meiner Olympus Kamera einen Weg gefunden, der das Ganze merkbar vereinfacht, noch dazu mit Autofokus! Dazu muss ich ein wenig ausholen 🙂

Wie funktioniert das Ganze? Nun ja, es sind ein paar Einstellungen, die in Kombination super funktionieren, wobei ich hier im Speziellen auf die E-M1 eingehe. Man kann die gleichen Einstellungen aber auch an den anderen OM-Ds ähnlich vornehmen.

1.) Meine Videoaufnahmetaste ist so eingestellt, dass ich damit zwischen AF und MF umstellen kann. Stellt Eure Kamera über das Touch-Menü, oder wie in meinem Fall über eine Funktionstaste auf MF. Wenn man den Fokusring des 300ers zurückzieht um auf MF zu stellen, funktioniert die Sache nicht, da wir im Endeffekt trotz MF-Einstellung automatisch fokussieren wollen 🙂

2.) Meine AEL/AFL-Taste ist so konfiguriert, dass ich im MF-Modus damit scharfstellen kann. Dazu geht ihr ins Zahnradmenü A und wählt den Menüpunkt AEL/AFL – S/C/M aus. Für MF wählt Ihr dort den MODE 3 aus, der es ermöglicht, mit der AEL/AFL-Taste zu fokussieren. Man kennt diese Funktion auch als „Back Button Focus“.

3.) Weiters ist meine FN2 Taste (hinter dem Auslöser) auf „VERGRÖSSERN“ eingestellt, d.h. wenn ich diese Taste drücke erscheint im Sucher ein grüner Rahmen und wenn ich noch einmal auf diese Taste drücke, wird das Sucherbild auf diesen Ausschnitt vergrößert. Den Vergrößerungsfaktor kann man, sobald man sich in der vergrößerten Ansicht befindet auch noch mit einem der Einstellräder verändern.

4.) Damit das ganze gut funktioniert, wollen wir noch, dass wenn der Auslöser in der vergrößerten Ansicht angetippt wird, das Sucherbild auf den gesamten Bildinhalt zurückspringt. Dazu müsst Ihr im Zahnradmenü D den Menüpunkt „LV Makro Modus“ auf Mode 1 stellen.

5.) Der Bildstabilisator muss so eingestellt werden, dass er schon bei halb gedrücktem Auslöser aktiv wird und nicht erst bei der Aufnahme. Dazu geht Ihr ins Zahnradmenü C und setzt den Menüpunkt Halb.Auslöser mit IS auf EIN.

So, jetzt seid Ihr sicherlich ein wenig verwirrt 🙂 und wollt wissen, was das ganze soll und vor allem was die ganze Einstellerei bringt. Und so gehts:

Zuerst stellt Ihr Eure Kamera über das Touchmenü oder eine FN Taste auf MF (nicht den Fokusring am Objektiv verwenden!). Danach visiert Ihr Eurer Motiv an und drückt auf die FN2 Taste, um das grüne Rechteck für die Ausschnittvergrößerung anzuzeigen, und jetzt kommt’s. Wenn Ihr jetzt die FN2 Taste noch einmal drückt, springt die Suchervergrößerung an und voilà, der Stabi fängt an zu arbeiten, ohne, dass Ihr den Auslöser halb drücken müsst!!! Jetzt könnt ihr per Autofokus auf das vergrößerte Bild scharfstellen, indem ihr die AEL/AFL-Taste drückt. Danach den Auslöser halb drücken, um auf den gesamten Bildausschnitt zu kommen und auslösen. Ich habe es einige Male getestet und es funktioniert ganz hervorragend.

So verwirrend für so manchen die vielfältigen Einstellmöglichkeiten bei den Olympus Kameras sind….aber das sollen andere einmal nachmachen. Olympus bekommt dafür von mir wieder einmal 100 Punkte! Was für ein System…WOW!

Jetzt wollt Ihr sicherlich auch noch das Foto mit dem Graureiher sehen. Hier einmal unbeschnitten und die 100% Ansicht. Fotografiert wurde bei ISO 400 mit einer 1/320 Sekunde und Blende 4 aus der Hand aus dem schaukelnden Boot.